Der Weinjahrgang 2026 bringt außergewöhnlich gesunde Trauben und große regionale Unterschiede. Hitze und Trockenheit beschleunigten die Reife und verlagerten vielerorts den Lesestart nach vorn. Die Qualitäten stimmen die Winzerinnen und Winzer zuversichtlich. Bei den Erntemengen reicht die Bilanz jedoch von deutlich unterdurchschnittlich bis leicht über dem langjährigen Mittel.

Das Deutsche Weininstitut erwartet aromatische Weißweine, konzentrierte Rotweine und edelsüße Spezialitäten. Wie verschieden die Voraussetzungen dafür waren, zeigt der Blick in die 13 deutschen Anbaugebiete. Die folgenden Erntemengen sind erste Schätzungen.

Kleine Beeren, kräftige Rotweine

An der Ahr begann die Hauptlese bereits am 10. September. Die kleinen, gesunden Spätburgunderbeeren lassen farbkräftige und hochwertige Rotweine erwarten. Die Erntemenge wird auf 31.000 Hektoliter geschätzt. Das wären neun Prozent weniger als im Vorjahr und 13 Prozent weniger als im Zehnjahresschnitt.

Baden meldet über alle Sorten hinweg außergewöhnlich gesunde Trauben. Die Winzer erwarten kräftige Weine mit moderater Säure und ausgeprägter Frucht. Besonders die Burgunder und der Chardonnay profitierten von der Wärme. Rund eine Million Hektoliter Most werden erwartet, zwölf Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt.

Auch Württemberg blickt auf ein ausgeprägtes Rotweinjahr. Kleine Beeren versprechen intensive Farben und konzentrierte Aromen. Die roten Weine dürften zudem ein gutes Lagerpotenzial mitbringen. Mit geschätzten 700.000 Hektolitern liegt die Ernte allerdings 21 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

In der Pfalz fiel die Bilanz regional unterschiedlich aus. Zwischen Neustadt und Bad Dürkheim drückte die Trockenheit die Erträge. Die Südpfalz profitierte stärker von Regen und speicherfähigen Böden. Insgesamt werden 2,1 Millionen Hektoliter Most erwartet. Das sind fünf Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt, aber zwölf Prozent mehr als im schwachen Vorjahr.

Frühreife Weißweine mit klarer Herkunft

Franken erlebte eine besonders frühe und kurze Lese. Bereits am 1. September erreichten die Trauben die Reife, in der dritten Septemberwoche war die Ernte beendet. Die Menge dürfte rund 326.000 Hektoliter betragen. Das sind 20 Prozent weniger als im Zehnjahresschnitt. Qualitativ überzeugt vor allem der Silvaner mit Reife, Saftigkeit und klarer Struktur.

An der Mosel zeigte sich der Riesling trotz Trockenheit bemerkenswert widerstandsfähig. Die Trauben erreichten hohe Mostgewichte und zugleich gute Säurewerte. Erstmals wurde dort Riesling mit 100 Grad Oechsle direkt vom Stock gelesen. Die geschätzte Ernte von 610.000 Hektolitern liegt 13 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

Der Mittelrhein verbindet hochreife, gesunde Trauben mit einer kleinen Ernte. Besonders die flachgründigen Steillagen litten unter dem fehlenden Regen. Dennoch reicht die Qualität laut den Verantwortlichen vom frischen Kabinett bis zu hochreifen edelsüßen Weinen. Die Menge wird auf 19.000 Hektoliter geschätzt und liegt damit 23 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

An der Nahe begann die Rieslinglese schon am 12. September. Die Trauben reiften trotz längerer Trockenphasen gesund aus und erreichten hohe Mostgewichte bei stabiler Säure. Erwartet werden frische, fruchtige Weine sowie edelsüße Spitzenqualitäten. Mit rund 307.000 Hektolitern dürfte die Ernte dem langjährigen Durchschnitt entsprechen.

Im Rheingau versprechen die Rieslinge eine intensive Aromatik und gute Struktur. Die Mostgewichte lagen meist zwischen Mitte 80 und knapp 90 Grad Oechsle. Auch die tiefroten Spätburgundertrauben stimmen die Betriebe zuversichtlich. Die Erntemenge wird auf 200.000 Hektoliter geschätzt. Das sind sechs Prozent weniger als im langjährigen Mittel.

Regen zur rechten Zeit, starke regionale Unterschiede

Rheinhessen meldet besonders gesunde Trauben und große Begeisterung für die Qualität. Die ersten Jungweine werden als fruchtig und ausdrucksstark beschrieben. Riesling und rote Sorten stechen besonders hervor. Die geschätzte Menge von 2,3 Millionen Hektolitern entspricht dem Vorjahr, liegt aber acht Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

An der Hessischen Bergstraße fiel die Qualität ebenfalls sehr gut aus. Die Trockenheit schadete vor allem leichten Böden und hoch gelegenen Weinbergen. Wo ausreichend Regen fiel, blieben die Erträge stabiler. Insgesamt werden 32.000 Hektoliter erwartet, leicht mehr als im langjährigen Mittel. Kräftige Weine und aromatische Trauben prägen die erste Einschätzung.

Saale-Unstrut hatte mehr Glück mit dem Wetter. Regen im Mai und Juni sowie Niederschläge im August halfen den Reben durch den Sommer. Die Trauben waren gesund und erreichten vielfach hohe Mostgewichte. Mit geschätzten 45.000 Hektolitern liegt die Ernte leicht über dem langjährigen Durchschnitt. Erwartet wird ein fruchtiger, homogener Jahrgang.

Sachsen berichtet von einer heißen Trockenphase, aber auch von gesunden und reifen Trauben. Der Riesling entwickelte sich besonders gut. Auch robuste neue Sorten zeigten eine schöne Aromatik. Die Ernte wird auf 2,5 Millionen Liter geschätzt. Das sind 14 Prozent weniger als im ergiebigen Vorjahr, aber etwas mehr als im Zehnjahresschnitt.

Die dreizehn Regionen erzählen damit keine einheitliche Jahrgangsgeschichte. Manche Betriebe mussten deutliche Ertragseinbußen hinnehmen, andere profitierten von Regen zur richtigen Zeit. Gemeinsam ist vielen Gebieten die hohe Traubengesundheit und das aromatische Potenzial. Nun entscheidet der Ausbau, wie klar sich die unterschiedlichen Böden, Rebsorten und Lesezeitpunkte in den Weinen zeigen.

www.deutscheweine.de

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