Auf einem 60-Hektar-Hof in Dollerup hätte es leicht beim Bekannten bleiben können. Ackerbau, etablierte Abläufe, überschaubares Risiko. Stattdessen entscheiden Carolin und Hanke Jensen, drei Hektar in etwas zu verwandeln, womit sie keinerlei Erfahrung hatten: Weinbau. Nicht im Sinne romantischer Weinberge, sondern ganz bodenständig in zwei Weinfeldern an der Flensburger Förde. Der Einstieg erfolgt ohne önologischen Hintergrund – aber mit klarem Plan, viel Lernbereitschaft und einem deutlichen Qualitätsanspruch.

Von Anfang an ist klar: Es soll nicht bei dem Anbau von Trauben bleiben. Die beiden wollen den kompletten Prozess beherrschen – vom Setzen der Reben bis zur fertigen Flasche. Die eigene Kellerei ist deshalb kein später Ausbau, sondern Teil der Ursprungs-Idee. Nur so lässt sich jede Entscheidung selbst treffen, jeder Jahrgang bewusst gestalten. Für Gastronomen entsteht dadurch ein Produkt, dessen Entstehung transparent und bis ins Detail nachvollziehbar ist.

Beratung, neue Sorten, harte Lernkurve

Ohne Weinhintergrund stellt sich schnell die Frage: Wer hilft beim Aufbau? Carolin und Hanke holen sich einen Berater an die Seite, der bereits dänische Betriebe auf ihrem Weg in den Weinbau im Norden begleitet hat. Dieses Know-how fließt in die Sortenwahl, die Anlage der Weinfelder und die Struktur der Kellerarbeit ein. So entsteht ein nordisches Projekt, das nicht naiv ins Risiko geht, sondern gezielt auf Erfahrung setzt – ohne den eigenen Weg zu verlieren.

Die Jensens setzen auf neue, pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Diese PIWI-Sorten sind im hohen Norden ein Schlüssel, um Weinbau wirtschaftlich und nachhaltig zu betreiben. Weniger Druck durch Pilzkrankheiten bedeutet weniger Pflanzenschutz, weniger Eingriffe und damit Weine, die von gesunden Trauben und sauberer Arbeit leben. Für Gastronomie und Hotellerie ist das ein Argument, wenn Regionalität und Nachhaltigkeit auf der Weinkarte nicht nur Schlagworte sein sollen, sondern Teil des Profils.

Fjordwein - Carolin und Hanke Jensen bei der Lese
Fjordwein – Carolin und Hanke Jensen bei der Lese

Die Lernkurve ist steil: Rebschnitt, Laubarbeit, Lesezeitpunkte – vieles muss sich zunächst einspielen. Gleichzeitig geht es im Keller darum, Stil und Handschrift zu finden. Welche Ausbaudauer passt, wie viel Struktur ist sinnvoll, welche Cuvées tragen den nordischen Charakter am besten? Diese Fragen beantworten Carolin und Hanke nicht am Schreibtisch, sondern im Tagesgeschäft, Fass für Fass, Jahrgang für Jahrgang.

Wein von A bis Z: Kontrolle, Charakter, Story

Dass Weinbau und Kellerarbeit von Beginn an zusammen gedacht wurden, zeigt sich in der Konsequenz des Konzepts. Fjordwein ist kein Traubenlieferant, sondern ein durchkomponiertes Weingut. Die Trauben der beiden Weinfelder gehen direkt in die hofeigene Kellerei, jeder Arbeitsschritt bleibt auf dem Betrieb. Für Profis in der Gastronomie bedeutet das: klare Herkunft, kurze Wege, keine Brüche in der Verantwortungskette.

Die Weine spiegeln diese Haltung. Kein großer Gestus, sondern klare, nordische Profile, geprägt von Klima, Boden und der bewussten Auswahl moderner Rebsorten. Frische, prägnante Aromatik, saubere Struktur, ein Stil, der sich gut mit regionaler Küche, Fisch, moderner Landküche oder leichten Menüs kombinieren lässt.

Für Gastronomen eröffnet Fjordwein gleich mehrere Ebenen: ein regionaler Wein mit nachvollziehbarer Entstehung, eine junge Betriebsgeschichte mit hoher Identifikation und ein Betrieb, der als Ort erlebbar ist. Führungen, Weinproben und Veranstaltungen schaffen zusätzliche Anknüpfungspunkte für Kooperationen, Events oder Storytelling im Service.

Fjordwein - Fässer
Fjordwein – Fässer

Carolin und Hanke Jensen zeigen, dass fehlende Vorerfahrung kein Hindernis sein muss, wenn Mut, Beratung und ein klarer Qualitätswille zusammenkommen. Aus zwei Weinfeldern im hohen Norden entsteht so ein Angebot, das sich auf Weinkarten nicht verstecken muss – und gerade für inhabergeführte Betriebe, die ihr Profil schärfen wollen, eine spannende Ergänzung darstellt.

https://fjordwein.com/

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