In deutschen Kellern dominiert immer häufiger der trockene Stil. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) waren im vergangenen Jahr 53 Prozent aller Qualitäts- und Prädikatsweine trocken ausgebaut. Das bedeutet ein weiteres Plus von einem Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr. Der Wandel zeigt sich deutlich im längerfristigen Vergleich: 2020 lag der Anteil trockener Weine noch bei 48 Prozent, 2010 lediglich bei 40 Prozent.

Diese Entwicklung spiegelt einen veränderten Geschmack wider. Gäste in Restaurants, Bars und Hotels fragen zunehmend nach Weinen mit weniger Restsüße. Trockene Weine passen gut zur modernen Küche, in der Leichtigkeit, Gemüse, Fisch und kreative Aromenkombinationen im Vordergrund stehen. Für die Gastronomie bedeutet dies eine klare Orientierung: Mehr trockene Positionen auf der Karte zahlen direkt auf aktuelle Gästeerwartungen ein.

Auch bei den Schaumweinen setzt sich der Trend fort. 54 Prozent der qualitätsgeprüften Sekte wurden im letzten Jahr in den Geschmacksrichtungen brut bis brut nature angeboten. 2020 lag dieser Anteil noch bei 50 Prozent. Brut-Sekte wirken frischer, vielseitiger kombinierbar und sind in der gehobenen Gastronomie längst Standard als Aperitif oder Menübegleiter.

Lieblich verliert, halbtrocken bleibt – die Mitte stabilisiert sich

Dem Wachstum der trockenen Kategorie steht ein klarer Rückgang bei lieblichen und süßen Weinen gegenüber. In der Qualitätsweinprüfung sank ihr Anteil gegenüber dem Vorjahr um einen Prozentpunkt. Im Vergleich zu 2010 ergibt sich sogar ein Minus von acht Prozentpunkten. Süße Weine bleiben damit stärker Nischenprodukte, etwa für Dessertangebote oder als Spezialitäten für ausgewählte Gästegruppen.

Halbtrockene Weine zeigen hingegen ein vergleichsweise stabiles Bild. Seit 2010 ist ihr Anteil nur leicht um vier Prozentpunkte zurückgegangen. Mit 19 Prozent lag das Angebot halbtrockener Weine im Vergleich zu 2024 unverändert. Für viele Betriebe bleibt diese Kategorie wichtig, weil sie eine Brücke zwischen trockenen und lieblichen Stilen bietet. Gerade bei gemischtem Publikum kann ein sorgfältig ausgewählter halbtrockener Wein Unsicherheiten in der Beratung auffangen.

Weiß und Rosé im Aufwind – Rotwein verliert deutlich

Nicht nur die Süßegrade, auch die Farben verschieben sich. Weißweine dominieren das deutsche Qualitäts- und Prädikatsweinangebot inzwischen mit 70 Prozent. Rotweine kommen nur noch auf 17 Prozent, Roséweine auf 13 Prozent. 2010 lag der Rotweinanteil noch bei 33 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie heute. Diese Entwicklung unterstreicht den allgemeinen Konsumtrend hin zu leichteren Weiß- und Roséweinen.

Für Hotellerie, Catering und Gastronomie ergeben sich daraus klare Signale. Eine moderne Weinkarte setzt stärker auf frische, aromatische Weißweine und gut gekühlte Rosés, die zur saisonalen Küche passen. Gleichzeitig schrumpft das rote Sortiment eher in die Tiefe als in die Breite: Weniger Positionen, dafür profilierte Weine mit klarer Geschichte.

Insgesamt wurden 2025 rund 6,2 Millionen Hektoliter Wein erfolgreich qualitätsgeprüft. Das sind sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Das DWI führt dies unter anderem auf die vergleichsweise kleine Erntemenge 2024 zurück. Im Durchschnitt stellen qualitätsgeprüfte Weine etwa 95 Prozent der deutschen Weinproduktion. Für Betriebe bedeutet dies: Die Auswahl bleibt groß, verändert sich aber in Stil, Farbe und Profil – ein guter Zeitpunkt, die eigene Weinkarte strategisch zu aktualisieren.

www.dwi.de

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