1825-1850: Gründung und erste Jahre –Heinrich Jeremias Kreutzkamm

Der Gründer der Conditorei Kreutzkamm, Heinrich Jeremias Kreutzkamm (*1799, †1850) kam im Alter von 25 Jahren nach Dresden, der Hauptstadt des damaligen Königreichs Sachsen. Hier bat er am 16. März 1825 um Erteilung des Bürgerrechts –mit einer Konzession zum Betrieb eines Conditorei-Geschäftes –, das er nach mehreren Gesuchen am 30. September 1825 erhielt. Am 17. Oktober 1825 gab er im „Dresdner Anzeiger“ die Eröffnung seines Conditorei-Geschäftes in der Moritzgasse 751 bekannt und begann, französische Süßigkeiten und Bonbons anzubieten.

Anscheinend entsprach der Geschäftserfolg anfänglich nicht den Erwartungen. Deshalb suchte H. J. Kreutzkamm nach einer zusätzlichen Erwerbsquelle. Die neueröffnete „Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Kompagnie“ bot ihm eine Möglichkeit. Am 3. August 1838 wurde er Pächter eines Restaurants im Bereich des Stadtbahnhofs in Dresden (später „Leipziger Bahnhof “).

Nach einigen Jahren verlegte er das Geschäft an den Postplatz mitten in Dresden. Später konnte er das Grundstück Moritzstraße 9 erwerben. Nun stellte H.J. Kreutzkamm ein Gesuch an den Rat der Stadt Dresden, um die Genehmigung zur Eröffnung eines Cafés zu erhalten. Am 4. Oktober 1848 erhielt er nach mehreren Gesuchen eine Konzession für eine „Restauration mit Conditorei“.

Am 3. Mai 1849 brach der Dresdner Mai-Aufstand los. Die neue Conditorei Kreutzkamm lag mitten im Brennpunkt des Geschehens am Neumarkt und H. J. Kreutzkamm wurde gezwungen, den Betrieb zu schließen. Nur die Bäckerei musste auf Befehl weiterarbeiten, um dieVersorgung der Bevölkerung mit Brot sicherzustellen.

1850–1890: Expansion und königliche Anerkennung –Heinrich Julius Kreutzkamm

Nach dem Tod von Heinrich Jeremias übernahm 1850 sein einziger Sohn Heinrich Julius Kreutzkamm (*1826, †1914) die Conditorei. Unter seiner Leitung wurden das Haus und die Konditoreiwaren stadtbekannt. Im Jahr 1867 wurde e von Kronprinz Albert und Seiner Königlichen Hoheit Prinz Georg, Herzog zu Sachsen zum Hofkonditor ernannt. 1873 folgte die Ernennung zum „Königlichen Hofieferanten“ von König Albert von Sachsen. Diese Wertschätzung leistete einen bedeutenden Beitrag zum Ruf und zum Wachstum des Unternehmens.

Heinrich Julius bekam, mit der Genehmigung des Königs, eine Hypothek zu günstigen Bedingungen des Königlichen Rentamtes. So konnte er ein Haus am Dresdner Altmarkt 14 kaufen, das zum Stammhaus der Conditorei wurde –bis es am 13. Februar 1945 bei dem Bombenangriff auf Dresden zerstört wurde.

Vierzig Jahre führte Heinrich Julius Kreutzkamm, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Johanna Juliane, das Konditoreigeschäft am Dresdner Altmarkt, bevor er sich Ende 1890 zur Ruhe setzte und die Geschäfte an seinen Sohn übergab.

1891–1926: Blütejahre und Herausforderungen –Max Kreutzkamm

Ab 1891 führte Max Kreutzkamm (*1855, †1926) das Unternehmen am Dresdner Altmarkt in dritter Generation. Eine neue, erfolgreiche Epoche begann. Seine Frau, Margarethe Kreutzkamm, geb. Markert, war mit ihrem wirtschaftlichen Weitblick eine ideale Ergänzung zu Max Kreutzkamm, der über ausgezeichnete Fachkenntnisse verfügte.

Auch Max Kreutzkamm wurde zum „Königlichen Hofieferanten“ ernannt –von König Albert, seiner Königin-Witwe Carola von Sachsen, Nachfolger König Friedrich August III, und dem Prinzen Johann Georg.

Die Conditorei Kreutzkamm hatte inzwischen weit über Dresden und Deutschland hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Eine Reihe von Mitarbeitern mit hervorragendem Fachwissen, die oft über viele Jahrzehnte dem Betrieb angehörten, trugen mit ihrer Arbeit und ihren Kenntnissen zum Erfolg und Ansehen des Unternehmens bei. Schon der Firmengründer Heinrich Jeremias Kreutzkamm hatte den Grundstein für die heutige Tradition des „Kreutzkamm Christstollen“ gelegt. Zunächst nur in Dresden bekannt und beliebt, wurde der Christstollen später innerhalb Deutschlands und Ende des Jahrhunderts auch ins Ausland verschickt.

Der erste Weltkrieg und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Unruhen stellte die Konditorei vor große Herausforderungen. Wirtschaftliche Probleme, einerseits durch die Einberufung vieler Mitarbeiter, andererseits durch den akuten Rohstoffmangel forderten die Familie. Man war einfallsreich und behalf sich mit allen möglichen „Ersatzstoffen“, zum Beispiel Kaffee-Ersatz und Saccharin an Stelle von Bohnenkaffee und Zucker –selbst Kuchen-Ersatz war gefragt.

Mit großer Anstrengung und der Treue der Mitarbeiter konnte die Familie Kreutzkamm ihr Unternehmen weiterführen und erholte sich von den Nachkriegswirren. Am 17. Oktober 1925 feierten Max Kreutzkamm und seine Familie das 100-jährige Geschäftsjubiläum und erhielten viele Ehrungen.

1926–1981: Neue Geschäftsfelder, Zerstörung & Wiederaufbau –Fritz Kreutzkamm

Fritz Kreutzkamm (*1902, †1981) übernahm Anfang 1926 –nach seiner Ausbildung zum Konditor in Erfurt und dem Tod seines Vaters Max Kreutzkamm –gemeinsam mit seiner Mutter Margarethe Kreutzkamm das Unternehmen. Ende der zwanziger Jahre erlebten sie die Rezession mit all ihren Folgen:

Geldknappheit, Arbeitslosigkeit und Preisverfall. Es wurde immer schwieriger, das Geschäft bei gleichbleibender Qualität der Waren rentabel zu gestalten. Die Kapazität des Betriebes wurde nicht mehr voll ausgenutzt, neue Absatzmöglichkeiten mussten gefunden werden.

Da wiederholt führende Feinkostgeschäfte sich für die Lieferung von Baumkuchen, Christstollen und Pralinen interessierten, wurde dieser Geschäftszweig neu ausgebaut. Bald wurden gute Verkaufserfolge erzielt, obwohl die Conditorei Kreutzkamm außerhalb Dresdens unbekannt war. Viele Feinkosthäuser, darunter auch Alois Dallmayr in München, bezogen nun Waren von Kreutzkamm und legten damit den Grundstein zur Belieferung des deutschen Feinkosthandels.

1937 legte Fritz Kreutzkamm seine Meisterprüfung im Konditoren-Handwerk ab, bevor er in den Krieg eingezogen wurde. Die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg zerstörte den Stammsitz am Dresdner Altmarkt und auch den gesamten Besitz der Familie. Das Geschäftshaus wurde am 13. Februar 1945 restlos zerstört, fünf langjährige Mitarbeiter kamen dabei ums Leben. Die Familie Kreutzkamm foh ins Erzgebirge.

Fritz Kreutzkamm wurde am 2. Mai 1945 von den Amerikanern in Kriegsgefangenschaft genommen und in ein Lager in Niederbayern gebracht. Am 8. Juni 1945 entlassen, arbeitete er zunächst auf Bauernhöfen, bevor er auf Grund seiner Englischkenntnisse bei der US-Militärregierung eingestellt wurde, und u. a. als General Manager im Garmischer Olympia-Eissportstadion arbeitete.

An eine Rückkehr nach Dresden, das nun zur Sowjetischen Besatzungszone gehörte, war nicht zu denken, daher wurden 1948 in Garmisch-Partenkirchen die ersten Christstollen gebacken, bevor Fritz Kreutzkamm am 15. September 1950 in München seine Conditorei Kreutzkamm mit einem Teil seiner ehemaligen Mitarbeiter aus Dresden wieder eröffnete. Im Februar 1951 pachtete Fritz Kreutzkamm ein kleines Café in der Münchner Burgstraße, welches er „Gugelhupf “ taufte und bis 1961 betrieb.

Das Geschäft entwickelte sich gut und 1954 konnte in der Münchner Maffeistraße 4 das neue und heutige Stammhaus eröffnet werden. 1960 erwarb Fritz Kreutzkamm ein Grundstück im Münchner Osten, die Kastenbauerstraße, in der noch heute die Produktion der Conditorei Kreutzkamm beheimatet ist.

1981–2018: Erweiterung und Rückkehr nach Dresden –Friederike Kreutzkamm

Friederike Kreutzkamm (*1932†2025) übernahm mit der Unterstützung der Mitarbeiter nach dem Tod ihres Mannes 1981 das Unternehmen und eröffnete schon bald eine kleine Confserie in der Münchner Maxburg. Es folgten Jahre der Modernisierung und Erweiterung, unter anderem der Produktion in der Kastenbauerstraße und derMünchner Standorte.

Sofort nach dem Mauerfall am 9. November 1989 und im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands beschloss Friederike Kreutzkamm, die Conditorei Kreutzkamm wieder zurück nach Dresden zu bringen. In unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Standort eröffnete sie bereits im Mai 1991 am Dresdner Altmarkt das Dresdner Café Kreutzkamm. Heute ist Kreutzkamm das älteste noch inhabergeführte Unternehmen in der Landeshauptstadt Dresden. (Quelle: Stadtarchiv Dresden).

Um dort auch frische Produkte, wie z. B. Dresdner Eierschecke im Sortiment zu haben, ließ Friederike sich vom Striesener Backhaus, eine historische Bäckerei auf der Huttenstraße in Dresden-Striesen, beliefern, das ab Herbst 1993 von ihrer Tochter Elisabethgeleitet und später übernommen wurde. Somit kehrte die Familie Kreutzkamm auch wieder produzierend nach Dresden zurück.

2008 erwarb Friederike Kreutzkamm das historische „Café am See“ am Tegernsee, das bis 2022 als „Café Kreutzkamm am See“ mit Ferienappartements betrieben wurde. Ende 2018 übergab Friederike Kreutzkamm die Leitung der Conditorei Kreutzkamm an ihre Tochter Elisabeth.

Seit 1993: Alte Heimat, neue Heimat –Elisabeth Kreutzkamm…

Elisabeth Kreutzkamm(*1967)setzte die Tradition der Familie Kreutzkamm in Dresden fort. Sie pachtete im Herbst 1993 dasStriesener Backhaus, das sie dann endgültig 1995 erwarb und das heute den Namen Dresdner Backhaus trägt.

Seit 2019 führt sie nun bereits in fünfter Generation die Conditorei Kreutzkamm. Sie gewährleistet, dass das Haus Kreutzkamm auch in Zukunft für Qualität und Genuss bekannt ist. Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller ist verheiratet und hat vier Kinder.

… und seit Januar 2025 mit dem Einstigen von Katharina Kreutzkamm-Aumüller als Leitung Marketing & Vertrieb wird die Historie auch in sechster Generation weitergeschrieben

Alle Informationen zur Conditorei Kreutzkamm und Onlineshop: https://kreutzkamm.de/

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